Die Fischerei
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Mit einem solchen Aaleisen an einer langen Stange stachen die Fischer bis in die fünfziger Jahre auf dem zugefrorenen Binnensee Aale. Es war für sie eine finanzielle Hilfe in der Winterzeit. |
Die Fischerei hat hier ursprünglich nur geringe Bedeutung gehabt. 1871 wurde sie nur von 6 Familien betrieben. Das reichte, um die Bevölkerung der Stadt und der näheren Umgebung mit Fischen zu versorgen. Die schlechten Wegeverhältnisse und die Möglichkeit, an vielen Orten der langen Küste auf Fang zu gehen, mag der Grund gewesen sein. Doch 18 91 zählte man schon 40 Fischerfamilien. Die Boote lagen vornehmlich im Binnensee. Zwischen dem Steinwarder und dem Graswarder ruderte oder segelte man zu den Fanggründen, das waren die Hohwachter Bucht oder die Westküste Fehmarns. Auch am Graswarderhaken wurde Stellnetzfischerei betrieben. Gute Heringsfänge brachte immer die Wadenfischerei zwischen Strandhusen und Ortmühle. Zwei Fischerschutzhütten standen noch bis in die Mitte der dreißiger Jahre in der Nähe der Jordanmündung. Mit zwei Winden wurde das Netz an Land geholt, in manchen Jahren mit über dreißig Zentner Heringen. Was an Fischen nicht verkauft werden konnte, kam auf die Felder zur Düngung.
Im Binnensee wurde Aalfischerei betrieben, oft mit Kähnen bei Dunkelheit. Eine Laterne am Bug lockte die Aale heran. Mit einem Aaleisen an einer Stange wurden sie dann harpuniert. Wenn der Binnensee im Winter zugefroren war, hackten die Fischer runde Löcher ins Eis und stachen die Aale auf dem Grund. Das war in Frostzeiten die einzige Erwerbsquelle der Fischer, und auch nach dem 2. Weltkrieg wurde die Aalstecherei noch betrieben, dann aber eingeschränkt und schließlich verboten.
Durch den Einsatz von schwimmenden Fischbehältern wurde die Absatzmöglichkeit von Frischfisch verbessert, wie auch durch die Erzeugung von Räucherfisch ein kontinuierlicher Absatz ermöglicht wurde.
Nach dem 1. Weltkrieg war die Fischerei wegen Minengefahr und in der westlichen Ostsee wegen versenkten Giftgasgranaten nur bedingt möglich. 1903 hatten zwei der Fischerboote einen Motor, 1910 schon acht von 70 Booten. Mit der Verbesserung der Verkehrsbedingungen war auch eine verbesserte Absatzmöglichkeit geschaffen. 1897 wurde von den Fischern ein Seefischverein gegründet, bald darauf eine Seefischereigenossenschaft, die hauptsächlich den Absatz fördern sollte. Den Fischern ging es bis zum 2. Weltkrieg nicht besonders gut. Der größte Schlag war die schon oben erwähnte von der englischen Besatzungsmacht angeordnete Vernichtung der Fischerflotte nach der Kapitulation. Doch dann kam die Wende. Fischer zwischen Swinemünde und Danzig waren in ihren Booten nach Westen geflüchtet. Viele fanden in Heiligenhafen eine neue Heimat. Die Ostsee war während des Krieges kaum befischt. Hochseekutter, die zur Hafensicherung während des Krieges gebaut worden waren, wurden den Flüchtlingsfischern und auch Einheimischen von der Besatzungsmacht überlassen. 1949 wurde von dem aus Danzig stammenden Fischer Arthur Steingräber eine Genossenschaft gegründet. Sie sollte den Fangabsatz erleichtern. Transportfahrzeuge, eine Eisfabrik und weitere Kutter wurden angeschafft. Die gute Organisation brachte auch Fischer anderer Häfen dazu, ihre Fänge in Heiligenhafen zu löschen. Schon in den fünfziger Jahren war Heiligenhafen der größte Fischanlandeplatz der westlichen Ostsee geworden. Um Einfluß auf den Markt zu gewinnen, wurde 1964 auf Initiative Steingräbers die Kutterfisch-Verwertung Finkenwärder-Lübecker Bucht GMBH gegründet. Federführend waren die Genossenschaften Heiligenhafen und Finkenwärder. Später schlossen sich die Genossenschaften Schlutup und Cuxhaven an und 1973 die übrigen Genossenschaften Schleswig-Holsteins.
Die letzten Jahre bereiteten der Fischerei einige Schwierigkeiten. Die Hauptgründe dafür sind die seit 1978 erweiterten hoheitsrechtlichen Ansprüche der Ostsee-Anliegerstaaten, die Überfischung der Gewässer und die Fangquotenregelung durch die Europäische Gemeinschaft.
In Heiligenhafen sind etwa 15 große Hochseekutter und 30 "Lüttfischerboote" beheimatet. Gefischt wird von den Hochseekuttern in der westlichen Ostsee und in der Nordsee, dort hauptsächlich auf Kabeljau, Seelachs und Plattfische. In den Wintermonaten ist in der Ostsee der Dorsch der meistgefangenste Fisch, während die Heringssaison im Frühjahr ist. Die Plattfische werden in den Sommermonaten gefangen, sofern für sie keine Schonzeit besteht.
Die angelandeten und ausgenommenen Fische werden in Kühlwagen von hier nach Cuxhaven, Bremerhaven, Dänemark und Frankreich gefahren, da die Fischverarbeitungsindustrie heute nur noch an Standorten sein kann, an denen ständig größere Mengen Fisch angelandet werden.
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Die seetüchtigen Hochseekutter können in der Ost- und Nordsee eingesetzt werden. Sie sind etwa 26 m lang und mit modernen elektronischen Geräten ausgerüstet |
Ordnung muß sein, und deswegen gibt es auch eine Fischereiaufsicht, die dafür sorgt, daß die rechtlichen Bestimmungen beim Fischfang eingehalten werden. |