Die Schiffer

Kapitänsbilder nennt man
die Bilder, die sich die
Kapitäne von ihren Schiffen
malen ließen. Hier Captain: H. Schmidt
Die Bark "Hermann " war hier
gebaut und beheimatet
Reederei Maßmann.
Original im Museum.

In Heiligenhafen waren die Schiffer der angesehenste Stand. Das bezeugt der Schifferstuhl in der Kirche. Seine Bänke waren bis vor kurzem das einzige gepolsterte Gestühl in der Kirche. Er befand sich auf der Empore, herausgehoben aus der Menge. In der Sitzordnung war eine gewisse Hierarchie, eine Rangordnung zu erkennen, die in dem noch vorhandenen Stuhlbuch, ab 1577 geführt, deutlich wird.

Unter dem Begriff Schiffer verstand man in erster Linie die Kapitäne und Schiffseigner. Die Besitzer von Leichtern hießen Böter.

Um alle Seefahrenden sozial abzusichern, wurde 1852 der Seefahrerverein gegründet. Der Zweck laut Vereinsstatut war die Unterstützung der Mitglieder in Krankheitsfällen und die Gewährung einer Beihilfe zu den Begräbniskosten. Alle Seeleute konnten Mitglied werden, vom Kapitän über den Böter und Fischer bis selbst zum Schiffszimmermann. Später rückte der gesellige Zusammenschluß in den Vordergrund des Vereinslebens, während der soziale Aspekt durch die gesetzliche Abdeckung bei Notfällen in den Hintergrund trat und schließlich ganz verschwand.

Auch noch heute feiert der Seefahrerverein einmal im Jahr, bislang am 1. oder 2. Freitag des Januars. Früher waren um diese Zeit die meisten Schiffer zu Hause. Schon in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde ein Ball abgehalten. 1912 wurde das erste Mal das "Flaggenausbringen", das Aushängen von Flaggen aus aller Herren Länder, gestiftet von Fahrensleuten, erwähnt. Die Fahnen werden vom Vereinslokal über die Straße gespannt. Vor dem Ball am Abend findet ein Umzug mit Fahnen und Musik statt. Zünftig wird der Zug durch Schiffspositionslaternen begrenzt.