Das Vogelparadies Graswarder

Die Sturmmöwe, die am häufigsten anzutreffende Möwenart.

Seltener vorkommend die etwas kleinere Küstenseeschwalbe.

Seit Januar 1954 ist der Warder keine Insel mehr. Jahrhundertelang hatte der Binnensee nach Norden eine Verbindung zum offenen Meer. Eine Mole sollte die immer mehr verlandende Rinne für Fischer freihalten, aber die Sandabdrift vom hohen Ufer ließ sie in einer Nacht versanden. Die Warderinsel wurde von den Bauern als Weideland für das Jungvieh benutzt. Die Tiere wurden im Frühjahr durch das flache Wasser vom Boot aus zur Insel geleitet, doch da es kein Wasser auf der Insel gab, mußten sie jeden Abend zum Tränken im Stadtteich zurückkommen, aber einmal gemacht, bereitete der Weg ihnen keine Schwierigkeiten. 1838 wurde von der Mole des Hafens ein Damm zur Insel geschüttet. Doch er überflutete leicht. Erst 1900 ließ die Stadt eine Holzbrücke bauen. Um diese Zeit wurde die Insel über eine Wasserleitung aus einem Brunnen am Hafen mit Wasser versorgt, was auch die Viehhaltung erleichterte. Außer dem Vieh bevölkerten Tausende von Seevögeln den Warder. An der Spitze die Sturmmöwe, die allerdings im Herbst die Insel größtenteils verläßt und sich im Winter an wärmeren Küsten und Flußregionen Westeuropas aufhält. Jungtiere allerdings dürfen sich noch nicht blicken lassen. Sie würden von den älteren zeugungsfähigen Tieren vertrieben oder getötet werden.

Außer den Sturmmöwen brüten auf dem östlichen Graswardergebiet Küstenseeschwalben, Flußseeschwalben, Zwergseeschwalben, Austernfischer, Kiebitze, Sandregenpfeifer, Säbelschnäbler, Rauchschwalben, Stare, Amseln, Gänse, Schwäne, Wiesenpieper, Große Fliegenschnäpper, Mittelsäger, Lachmöwen, Ringeltauben, Bachstelzen und wechselnd weitere Vögel.

1978 gab die Stadt das Vogelschutzgebiet an das Land Schleswig-Holstein im Tausch gegen ein Steinwardergebiet. Mit diesem Zeitpunkt wurde auch das von der Stadt betriebene Möweneiersammeln eingestellt. Seit dem ersten Weltkrieg wurde vom 5. Mai bis 5. Juni den Nestern ein Ei entnommen, worauf die Möwen durch Nachlegen die Anzahl wieder vervollständigten. Die Sammler waren mit großen Hüten und alter Kleidung versehen, weil die Möwen im Sturzflug ihre Exkremente auf die Diebe "schossen".

Die Einstellung geschah aber nicht nur zum Schutz der Vögel, sondern auch wegen der Gefahr der Infizierung mit Salmonellen beim Verzehr der Eier. Auch der Auftrieb von Milchvieh wurde eingestellt. Allerdings mußte man die Feststellung machen, daß die Beweidung gar nicht so sehr die Gelege zerstörte, wohl aber der Grasnarbe gut tat und sie auch gegen Überschwemmungen widerstandsfähiger machte. Im Sommer veranstaltet der Bund für Vogelschutz in dem eingezäunten Teil Führungen für Vogelfreunde.

Am schönsten ist wohl der Graswarder, wenn ihn Ende Mai ein Meer von violetten Grasnelkenblüten bedeckt. Hier auf dem befriedeten Teil des Graswarders haben sich auch seltene Strandpflanzen wie der Strandkohl und die Stranddiestel retten können, die der Tourismus restlos vom Steinwarder vertrieben hat. Eine seltene Erscheinung sind die vielen einen Viertel Meter hohen runden Grashügel. Sie werden von einer Ameisenart gebaut, der Bernsteingelben Rasenameise. In mühevoller Arbeit bringen die Tiere Sandkorn um Sandkorn zu einem Haufen zusammen. Das geht so langsam, daß das Gras schneller als der Hügel wächst. In dem Hügel sind Nestkammern, die auch bei längerer Überflutung trocken bleiben. Außerdem fangen die Hügel bei Sonnenschein Wärme auf, die zur Aufzucht des Nachwuchses nötig ist.

Nicht nur für die Naturkundler ist der Graswarder interessant, auch für die Geologen ist die ehemalige Insel ein Paradebeispiel für Nehrungsbildung. Jahr für Jahr wächst sie nach Osten, und von Zeit zu Zeit werden neue Warderhaken gebildet.